Else-Lasker-Schüler Gedichte und leidenschaftliche Musik - Ensemble Passatempo begeisterte im Gemeindezentrum

Die Erwartungen waren hoch gespannt, der Saal entsprechend gut besetzt. Schon der Titel des Abends hatte die Neugier weit über die Gemeindegrenzen hinaus geweckt:


Es pocht eine Sehnsucht an die Welt… Else Lasker-Schüler-Gedichte und leidenschaftliche Musik

Und es wurde ein besonderer Abend .Die eigenwillige, mutige Mischung aus Klesmer, griechischer Musik und Tango berührte das Publikum tief und kommentierte behutsam die verschiedenen Themenkreise, die das Ensemble aus Tagebuchaufzeichnungen Lasker-Schülers zusammengestellt hatte :

Ausgangspunkt waren die Kinderjahre in Wuppertal, der Themenfaden schlängelte sich durch eben solche Gedichte der bedeutenden expressionistischen Lyrikerin, die sie selbst in späten Jahren noch als das Kind erkennen lassen, das sie – in Josephs bunten Rock gehüllt – ein Leben lang geblieben ist :

 

Klein sein – Kindchen sein – mit dem Vater spielen
Mutterschoß – Poesie und Schwermut
Traum und Lust
Angst und Flucht
Abschied und Neugeburt

 

Passatempo präsentierte sich als ein Ensemble, das vor allem durch seine präzisen Arrangements und seine überaus sensiblen musikantischen Interaktionen besticht.

Diese Liaison aus leidenschaftlicher Musik und bewegenden Texten bedeutete absoluten Hörgenuss. Faszinierend dabei, wie jedes Ensemblemitglied seinen eigenen musikalischen Charakter und Charme entfaltete: Tanja Kreiskott auf ihrer betörenden Flöte, Evelyn Maliahustas mit ihrem süß-schwermütigen Akkordeon und ihrer im besten Sinne zu Herzen gehenden Stimme, Uwe Faulenbach als absolut schlagsicherer und fantasievoller Percussionist und nicht zuletzt Klaus Harms in bekannt souveräner Weise am Bass, der bei ihm immer weit mehr ist als ein „Begleitinstrument“.

Wohltuend auch die Rezitation der Lasker-Schüler-Texte, deren Pathos niemals ins Sentimentale abglitt.Eine musikalisch-literarische Performance erster Güte, eine zum Staunen schöne Mischung aus Melancholie und Leichtigkeit – das bewies auch der langanhaltende, begeisterte Applaus zum Schluss. Beim Zugabe-Tango ertappten sich nicht wenige der Zuhörer dabei, wie sie auf dem Sprung zum Tango-Tanzen waren.

Noch lange standen Besucher und Künstler im Foyer zusammen, um diesen Abend, der die Seele berührt hatte, bei Käse, Wein und Kerzenschein ausklingen zu lassen.

Am Ende pochte eine neue Sehnsucht nicht nur an die Welt, sondern auch an die Tür der Lutherkirche, nämlich die Sehnsucht nach einem Mehr an solchen gekonnten und anspruchsvollen Veranstaltungen.

 

Friederike Slupina-Beck

 

http://www.evangelisch-ronsdorf.de/zeitvertreib/_passatempo0207.htm