Ev. Kirchengemeinde und Diakonie luden zum Konzert            "Der Heimat auf der Spur"

„Als bliebe die Wurzel im Boden…“ unter diesem Titel lud die Ev. Kirchengemeinde Neheim und die Diakonie Ruhr-Hellweg zu einem Konzert der besonderen Art ein anlässlich der Woche des ausländischen Mitbürgers. Das Ensemble Passatempo nahm das Publikum am Wahlsonntag mit auf eine bewegende Reise zu den Wurzeln von Heimat. Mit poetischen Texten entführte das Quintett die gebannten Zuhörer zunächst nach Südamerika, wo „in der Sonne trocknende Tomaten den Sommer aufsaugen und den Duft von Heimat verströmen“. Sie berichteten von Gefängnisfolter und dem Leben im Exil jenseits der geliebten Heimat. Ein Programm voll Leid und Leidenschaft, voll Leichtigkeit und Sehnsucht.

Eingebettet wurden die Texte in musikalische Kostproben aus den verschiedenen Kulturräumen. „Das Programm bot einen ganz anderen Zugang zum Thema Migration und warf auch den Blick auf die eigene Herkunft“, erklärte Pfarrer Dr. Arnoldi. Während Menschen mit Migrationshintergrund in der Regel in unserer Gesellschaft als Problemfälle zur Sprache kommen, lenkte das collagenartige Programm den Blick auf das Schöne und Sinnliche. „Damit wird auch deutlich, welche kulturelle Bereicherung Migration für das Einwanderungsland bedeutet“, zeigte sich Ulrike Flaspöhler von der Diakonie Ruhr-Hellweg fasziniert von der Aufführung.

Von Südamerika ging die Reise über den Kulturraum Osteuropa nach Griechenland und in die Türkei. Die Vertreibung der Türken um 1920 aus Griechenland machte deutlich, dass Migration nicht erst in der heutigen Zeit ein Thema ist. Eindrucksvoll bewies die Gruppe, dass sie sich im Tango Argentino genauso zu Hause fühlte wie in der Balkanmusik, dem jiddischem Liedgut oder der orientalischen Musik. Ihre musikalische Bandbreite stellten sie mit dem kreativen Einsatz einer Vielzahl von Instrumenten unter Beweis.

Das Konzert endete mit einer Hinführung zum Kulturraum Deutschland und dem Zitat eines Migranten: „Heimat hält sich nicht an die Grenzen der Landkarte. Für mich hört die Suche nach Heimat auf, ich habe meine Heimat gewählt.“

Die Zuhörer zeigten sich von dem Dialog von Musik und Literatur berührt, bewegt und begeistert. Man hätte diesem erstklassigen Programm mehr Zuschauer gewünscht.

Pressearchiv Diakonie Ruhr-Hellweg     

http://www.diakonie-ruhr-hellweg.de/default.aspx/G/111327/L/1031/R/-1/T/117335/A/2/ID/122595/P/0/LK/-1                                      

Duisburg- Wanheim

Als bliebe die Wurzel im Boden

27.10.2009 | 11:10 Uhr

 

Heimatliebe und Fremdsein. Das Ensemble "Passatempo" beschäftigt sich mit dem Thema Migration

 

Was ist Heimat und wo findet man sie? Fragen, die Tausende von Migranten tagtäglich begleiten. Das fünfköpfige Ensemble „Passatempo” lud am Sonntag in die evangelische Kirche an der Friemersheimer Straße zur gemeinsamen Suche nach Antworten. Die Wuppertaler beleuchteten musikalisch und literarisch vier Kulturräume: Südamerika, Osteuropa, die Türkei und Griechenland sowie Deutschland. Neben traditionellen Volksliedern wurden Texte und Gedichte aus den Regionen rezitiert und schauspielerisch dargestellt.

Trauer, Orientierungslosigkeit und das Gefühl von Fremdsein schwangen in den dargebotenen Texten mit. Und ab und an zeigte sich auch eine gewisse Spur von Hoffnung am Horizont. „Unser Projekt dreht sich vor allem um das Thema Heimat und Verlust der Heimat. Um das Gefühl, ein Fremder zu sein und darum, sich wieder einzuwurzeln”, erklärte Perkussionist Uwe Faulenbach. Um diese Gefühle einzufangen, haben die fünf Hobbymusiker über 200 Menschen mit Migrationshintergrund in Wuppertal nach ihrer Heimat befragt.

„Die meisten Migranten in Wuppertal kommen aus verschiedenen Ländern Südamerikas und Osteuropas, aus der Türkei und Griechenland. Deswegen haben wir uns für die intensive Beschäftigung mit diesen Ländern entschieden” so Sängerin, Gitarristin und Akkordeonistin Evelyn Maliahustas. „Passatempo” bekam zahlreiche unterschiedliche Antworten. Antworten, die sie dann zum Teil in ihre intensive künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema hineinfließen ließ.

Das Projekt „Als bliebe die Wurzel im Boden” löst die Grenze zwischen Heimat und Fremde auf, regt den Zuhörer zum Nachdenken über seine eigenen Gefühle an und stellt ihm die Frage nach seinem ganz persönlichen Heimatbegriff. Das Ensemble entlässt seine Zuhörer mit lauter Gedanken und der Gewissheit, dass Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen sich einander unvoreingenommen annähern, den offenen Dialog suchen sollten und sich ganz einfach kennenlernen müssen. Erst dann kann Heimat überall sein.

 

Maria Romanski